Flüchtlingsmädchen Reem dankt Merkel: “Ich weiß nicht, ob ich das ohne sie geschafft hätte”

In this Dec. 6, 2015 picture Reem Sahwil and TV presenter Guenther Jauch, right, talk during a Year-end show ' by broadcaster RTL in Huerth, Germany. Germany’s Bild newspaper reported Thursday Dec 24, 2015 that Reem Sahwil and her family had received an extension through March, 2017 due to good integration into society. During a town hall-style meeting in July, German chancellor Angela Merkel brought Reem to tears after the 14-year-old said her family had been waiting four years for permanent residence status. Merkel told her Germany can't accommodate everyone. ( Henning Kaiser/dpa via AP)
  • Ein Jahr nach ihrem Tränen-Auftritt hat das Flüchtlingsmädchen Reem Angela Merkel gedankt
  • Merkels Reaktion auf das weinende Kind bracht ihr damals viel Kritik ein
  • Jetzt sagt Reem: “Ohne die Kanzlerin hätte ich vieles nicht geschafft”

Vor einem Jahr hatte ihr Auftritt für Aufregung gesorgt. Dabei hatte sie gar nichts falsch gemacht: Ohne es zu beabsichtigen, hatte das Flüchtlingsmädchen Reem Sahwil Bundeskanzlerin Angela Merkel bei deren Besuch in einer Rostocker Schule in Bedrängnis gebracht.

Reems Familie drohte damals abgeschoben zu werden. Als die Kanzlerin ihr sagte, dass “nicht alles bleiben können”, hatte das Mädchen Tränen in den Augen. Merkels unbeholfener Versuch, sie zu trösten, sorgte für scharfe Kritik. Der Kanzlerin fehle es an Menschlichkeit, sie sei sich der Konsequenzen ihrer Flüchtlingspolitik nicht bewusst, hieß es.

Jetzt hat sich Reem in einem Interview mit der “Bild am Sonntag“ über die Szene aus dem letzten Sommer geäußert – und Merkel rührend gedankt.

Reem verteidigt Merkels Auftritt

Die Kanzlerin hielt nach dem Vorfall Kontakt mit dem Mädchen. RegierungssprecherSteffen Seibert sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: “Reem war nach den Osterferien auf Einladung der Bundeskanzlerin zu einem Gespräch im Kanzleramt.” Zum Inhalt des Gesprächs machte er keine Angaben.

Die 15-jährige Reem trat öffentlich für die Kanzlerin ein: “Ich würde ihr einfach nur Danke sagen wollen. Von mir und meiner Familie, aber auch von all den Flüchtlingen, denen sie geholfen hat. Das war für sie und Deutschland alles nicht so einfach und ich danke Frau Merkel sehr dafür.“

Es sei wohl auch für die Kanzlerin eine aufregende und besondere Situation gewesen, glaubt Reem. Die damals 14-Jährige, die sich nur mit Hilfe eines Rollstuhls fortbewegen konnte, hat seit dem Juli vergangenen Jahres große Fortschritte gemacht.

Reem: “Ich bin mutiger geworden”

Sie sagt: “Ich bin selbstbewusster und mutiger geworden, weil in diesem Jahr so viel passiert ist. Ich war in den Zeitungen und sogar im Fernsehen. Das war alles sehr aufregend für mich.“

Gesundheitlich gehe es ihr immer besser. Vor ein paar Monaten habe sie den Mut gehabt, “mich auf die eigenen Füße zu stellen und das Laufen anzugehen.“ Heute könne sie ganz alleine gehen.

Fortschritt ist auch Merkel zu verdanken

Das habe auch mit dem Treffen mit Angela Merkel zu tun, erklärt Reem: “Ich bin wahnsinnig glücklich darüber und weiß nicht, ob ich diesen Mut auch ohne das Treffen mit Frau Merkel gehabt hätte.“

Auch ihre Familie hat sich inzwischen in Deutschland eingelebt: “Ich würde sagen wir haben jetzt eine zweite Heimat dazu bekommen. Im Libanon habe ich meine Kindheit verbracht, meine Familie und meine Wurzeln. Rostock ist jetzt unser zu Hause und wir fühlen uns hier sehr wohl.”