Fluchtpunkt Libanon

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Von Karin Leukefeld, Beirut

 

Palmyra – hier ein Satellitenbild – wurde von der syrischen Armee mit Hilfe der russischen Luftwaffe von der Dschihadistenmiliz IS zurückerobert. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Präsident Wladimir Putin über den Abschluss der Militäraktion informiert, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

 

»Sieht aus, als würde es in Syrien besser werden«, sagt Hassan, der in einem Hotel in Beirut arbeitet. Er hoffe es jedenfalls, »damit die vielen Menschen zurückkehren können«. Mehr als 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge hat das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge im Zedernstaat registriert, bei 5,9 Millionen Einwohnern. Die schwere Belastung, die diese vielen Menschen für die libanesische Gesellschaft, für Arbeit, Wohnen, Gesundheitsversorgung und Bildung in Libanon bedeuten, wird fast ausschließlich von den Vereinten Nationen und internationalen Hilfsorganisationen aufgefangen.

 

Deren Mitarbeiter halten damit auch die nationale Wirtschaft in Schwung, sorgen für Nachfrage und damit Umsatz im Land, mieten sich in Hotels und Wohnungen ein, führen Büros und geben so manchem Libanesen – und dessen Familie – Arbeit und Einkommen.

 

Doch die wenigsten von ihnen haben die Zeit, die touristischen Sehenswürdigkeiten des Landes zu besuchen, seufzt Hamza, der früher Touristen in Libanon führte. Auch die Araber, die nach Beirut kämen, seien an Museen oder der schönen Landschaft nicht interessiert. »Seit Jahren kommen keine Touristen mehr zu uns«, erzählt er. Die arabischen Familien, die sich Übernachtungen in Hotels in Beirut leisten könnten, kämen, um Ärzte aufzusuchen, sich mit Verwandten aus anderen Teilen der Welt zu treffen oder um ein Visum abzuholen. »Die finanziell betuchten Familien aus Syrien wollen nach Europa, Australien oder Kanada auswandern«, hat er beobachtet. Wie damals in Libanon nach dem Bürgerkrieg 1975 bis 1990.

 

Hamza war in die Golfstaaten gegangen, wo er mehr als zehn Jahre gelebt hatte. Das dort verdiente Geld steckten er und seine Frau nach der Rückkehr Anfang der 90er Jahre ins Tourismusgeschäft. Sie bauten sich in ihrem Heimatdorf im Süden Libanons ein Haus, die Tochter wurde geboren. Heute fährt Hamza fast ausschließlich Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu Flüchtlingsunterkünften in verschiedenen Teilen des Landes. Oder er transportiert ausländische Fernsehteams.

 

Alle syrischen Flüchtlinge, ob in Libanon, der Türkei oder anderen Teilen der Welt hatten früher zu Hause Arbeit, sagt Mouna Ghanem, die heute im Beratungsgremium syrischer Frauen in Genf mitarbeitet. Die Milliarden Dollar, die in Hilfsprojekte außerhalb Syriens gesteckt würden, stünden in keinem Verhältnis zu dem, was für eine politische Lösung in Syrien getan werde. Die Menschen müssten eine Perspektive auf Rückkehr in ihre Heimat bekommen, hieß es vor wenigen Tagen auch in einer Stellungnahme der Internationalen Organisation für Migration. Dafür müssen die Waffen schweigen und die politischen Kontrahenten an einem Tisch versammelt werden.

 

Wie schwierig das ist, war dieser Tage in der Beiruter Zeitung »An Nahar« nachzulesen. Sie veröffentlichte einen anonym verfassten AFP-Bericht, in dem die »oft chaotische« diplomatische Arbeit hinter den Kulissen der Genfer Friedensgespräche beschrieben wurde. »Keine Mobiltelefone, keine Aufnahmegeräte und keine beleidigende Sprache« gehörten demzufolge zu den Grundregeln der Teilnehmern

 

 

 

»Respektieren Sie die anderen, die an diesen Verhandlungen teilnehmen. Niemand darf die Legitimität der anderen in Frage stellen«, hieß es in einem Papier, das der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura an die Eingeladenen verteilte. Die gemeinsame Eröffnungsveranstaltung im Palast der Nationen war am Ende nur zustande gekommen, nachdem Vertreter der Staaten, die den oppositionellen Hohen Verhandlungsrat (HNC) unterstützen, diesen massiv gedrängt hatten.

 

Der HNC wollte nicht erscheinen, nachdem er erfahren hatte, dass de Mistura auch die oppositionellen Moskau- und Kairo-Plattformen eingeladen hatte. »Briten, Deutsche, Franzosen, die Emirate, die Dänen, Schweden und Türken« hätten aber, so das Blatt, »starken Druck« auf die HNC-Delegation ausgeübt, so dass an der Zeremonie teilnahm.