Immigration senkt Kriminalität

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ibt keinen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Kriminalität. Eine neue Studie belegt, dass diese Verknüpfung empirisch nicht nachweisbar ist und widerspricht damit populistischen Stimmungsmachern. Matthias von Hein informiert.

 

Es ist einer der Begriffe, die das vergangene Jahr geprägt haben: „Willkommenskultur“. Aber ausgerechnet in der Nacht, als sich das Jahr der massenhaften Aufnahme von Flüchtlingen dem Ende zuneigte, erhielt diese Willkommenskultur in Köln einen weit über die Region hinausreichenden Dämpfer: Massenhafte sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht durch überwiegend aus Nordafrika stammende Migranten sorgten für Entsetzen und Empörung.

 

Zahlen und Fakten gegen Mythen

 

Seit den Ereignissen der Silvesternacht wachsen hierzulande die Zweifel an der Integrierbarkeit von Flüchtlingen speziell aus islamischen Ländern. Seit Köln wird vermehrt die Frage diskutiert, ob mit Flüchtlingen und Migranten auch mehr Kriminalität ins Land kommt.

 

Der Berliner „Mediendienst Integration“ hat nun eine Studie vorgelegt, die einen Zusammenhang zwischen Herkunft und Kriminalität klar verneint. Verfasst hat die Studie Christian Walburg. Der Kriminologe aus Münster hat vor allem Statistiken des Bundeskriminalamtes ausgewertet und in Beziehung zur Zuwanderung gestellt.

 

Im Gespräch betont Walburg, in den allermeisten klassischen Kriminalitätsbereichen habe es keine Zunahme der Straftaten pro 100.000 Einwohner gegeben. Einschränkend nennt der Kriminologe zwei Bereiche, bei denen es deutliche Zunahmen gegeben hat: Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle.

 

 

Im Bereich Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle hat es eine deutliche Zunahmen gegeben, allerdings werden diese Verbrechen nicht von Flüchtlingen begangen, betont Braunschweigs Kripo-Chef Ulf Küch.

 

Allerdings werden diese Verbrechen nicht von Flüchtlingen begangen, betont Ulf Küch. Als Leiter der Kriminalpolizei Braunschweig weiß er, wovon er spricht. Küch macht zwei Tätergruppen aus: „Das sind einmal die, die aus Osteuropa kommen und Menschen, die aus dem Maghreb stammen. Die sind aber nicht zu dem Personenkreis zu rechnen, der im vergangenen Jahr mit dem Flüchtlingsstrom mitgekommen ist“, so Küch. Vielfach würden diese Menschen schon seit Jahren in Deutschland leben.

 

Anstieg in der zweiten Generation

 

Zu noch überraschenderen Ergebnissen ist Sandra Bucerius gekommen. Die Kriminologin lebt und arbeitet seit Jahren in dem klassischen Einwanderungsland Kanada und untersucht den Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität.

 

„Die Studien im internationalen Raum sind hier eindeutig“, betont die Forscherin. „Eindeutig in dem Sinne, dass Immigration die nationalen Kriminalitätsraten tendenziell senkt und nicht steigen lässt“.

 

Bucerius diagnostiziert allerdings einen Anstieg der Kriminalität in der zweiten Generation. Als besonders starken Risikofaktor sieht sie hier mangelnde soziale Integration. In den traditionellen Einwanderungsländern, so die Kriminologin, funktioniere das besser als in den europäischen Ländern, die dieses Selbstverständnis nicht hätten. Das Fazit könnte lauten: Neben einer Willkommenskultur, braucht es auch eine Willkommensstruktur.