AUS beirut ins fan-camp

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Im Cottage 31 des Fan-Camp verständigt man sich auf Englisch. Dabei wohnt dort niemand aus England, vielmehr leben dort derzeit drei Schwarzwälder und zwei Libanesen. Für Joe Saliby ist das alles immer noch wie ein großes Märchen. Als Neunjähriger hat er davon geträumt, einmal ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft live zu sehen. Zu seinem 33. Geburtstag bekam er im Fan-Zelt von mehreren Hundert deutschen Fans ein Ständchen gesungen.

Der Libanon ist fußballverrückt. Doch da die eigene Mannschaft es noch nie zu einem großen Turnier geschafft hat, fiebern die Libanesen mit den großen Mannschaften mit. Brasilien, Italien und vor allem Deutschland stehen hoch im Kurs. Etwa 400.000 Fans der deutschen Nationalmannschaft gibt es im Libanon, schätzt Joe. Er zückt sein Handy und zeigt Videos von feiernden Fans in Beirut nach dem 4:1 gegen England bei der WM 2010. Ein Autokorso mit deutschen Fahnen und enthusiastischem Gehupe. Joe zeigt ein Bild von der Wohnung seines besten Freundes. In die Wohnzimmerdecke sind drei Balken eingelassen. Einer in Schwarz, einer in Rot, einer in Gold.

Der größte Fan der deutschen Nationalmannschaft im Libanon ist wahrscheinlich Joe selbst. „Wenn ich etwas nicht weiß über die Nationalmannschaft, frage ich Joe, der weiß alles“, sagt Bernd Kaltenbach. Der Freudenstädter war 2011 beim Länderspiel der Nationalmannschaft in Istanbul vor dem Mannschaftshotel, um auf die deutschen Spieler zu warten. In der Traube der Fans stand auch Joe. Seinen Kindheitstraum hatte er sich da schon längst erfüllt. Im November 2006 beim EM-Qualifikationsspiel auf Zypern wartete Joe im Mannschaftshotel auf die Spieler und bekam Autogramme von Ballack, Schweinsteiger und Co. „Ich habe die ganze Zeit vor dem Hotel gewartet, sie hatten keine Chance, mir zu entkommen“, sagt Joe und grinst.

Tiefe Freundschaft seit 2010

2010 trat er dann in den Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola ein. Vor dem Mannschaftshotel in Istanbul entsteht dann eine Freundschaft. Joes türkische Freundin zeigt den Fans aus Freudenstadt Istanbul, dafür hilft Bernds Neffe Marc Joe, die Möglichkeiten des Fan Club besser nutzen zu können. Marc und Joe bleiben in Kontakt und bei der EURO 2012 kommt es zur großen Zusammenkunft in Lwiw. Joes Cousin Teddy, ebenfalls ein großer Deutschland-Fan, fliegt aus Atlanta ein, Joe aus Beirut, die Freudenstädter reisen mit dem Auto an und haben für die Tour ihre Namen auf das Auto geklebt.

Jetzt parkt das Fahrzeug vor Cottage 31. Die Reisegruppe sitzt auf der Terrasse und verbreitet so gute Laune, das Bürger Lars Dietrich spontan mit den Jungs drehen wollte. So hat es Joe auch noch in den ZDF-Fernsehgarten geschafft. Heute ist Joe beim letzten Gruppenspiel gegen Nordirland dabei, dann muss er nach Hause. „Ich habe nur 15 Tage Urlaub“, sagt Joe. Die hat er komplett in den Fußball investiert – zumindest oberflächlich betrachtet.